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Sonne: nein danke???

von Klaus Peper

Kamelien, besonders Camellia japonica, seien Pflanzen für den Halbschatten. Es gibt nun aber viele Formen des Halbschattens, deshalb sei hier diskutiert, ob und wie lange und zu welcher Zeit Kamelien die direkte Sonne vertragen und welches die Massnahmen sind, die es ihnen erlauben, sich richtig wohlzufühlen.

Kamelien brauchen Sonne

Vorweg, Kamelien brauchen im Sommer möglichst viel Wärme und Licht, um eine reiche Blüte anzusetzen. Wenn man ihnen die Sonne verwehrt, ist der Blütenansatz deutlich schlechter. Die Sonne kann die Blätter der Kamelien verbrennen, dazu reichen durchaus 30 Minuten. Der Sonnenbrand ist um so stärker, je trockener der Wurzelballen ist. Kamelien besitzen Blätter, die entweder relativ sonnenfest sind oder aber ziemlich schnell verbrennen. Kamelienblätter lassen sich durch "Gewöhnung" an Luft und Sonne aber leider nicht trainieren, sobald sie einigermassen erwachsen sind. Was aber macht den Unterschied in der Sonnenfestigkeit aus? Dazu etwas Grundsätzliches: Kamelienblätter halten in der Regel 2-4 Jahre und werden dann abgestossen. Während ihrer "Gebrauchszeit" werden sie nicht mehr mit nützlichen Stoffen von der Pflanze versorgt, sie müssen funktionieren. Lediglich in der kurzen Wuchsphase erhalten sie ihre Ausstattung. Man kann ein 1-jähriges Blatt, welches zu wenig Chlorophyll besitzt, durch keine Düngung mehr richtig grün bekommen. Andererseits, wenn sich ein Blatt in voller Sonne entwickelt, hat es genügend Schutzstoffe, um im weiteren Leben auch pralle Sonne auszuhalten. Es scheint paradox: Ein Blattaustrieb in voller Sonne gedeiht prächtig ohne Schaden, wärend einjährige Blätter an der gleichen Pflanze (keine Sonne vor einem Jahr) ziemlich schnell verbrennen. Blattaustrieb unter Glas (Wintergarten), bei Topfkamelien die Regel, bringt keine sonnenfesten Blätter. Kamelien können ohne Gewöhnung auch aus der Winterruhe direkt in die Frühjahrssonne gestellt werden, wenn sie noch nicht treiben. Sie nehmen dabei keinen Schaden. Wenn sie schon am treiben sind, ist das Heraussetzen, auch in die volle Sonne, solange schadlos, wie der Neutrieb noch im Mausohrstadium ist (Blätter noch nicht voll entfaltet). Kommen die Kamelien aber später ins Freie, so bleiben die neuen Blätter ihr Leben lang sonnenbrandgefährdet, selbst wenn sie ganz vorsichtig im Schatten oder Nebel an die neue Freiheit gewöhnt werden.

Kamelien brauchen Halbschatten

Ist es somit angebracht, Kamelien ganzjährig in voller Sonne zu kultivieren? Die Antwort ist nein, aus folgendem Grund: Wenn die Kamelie eine Temperatur über 30C verspürt, bekommt sie Stress, sebst wenn der Wurzelballen feucht gehalten wird. Sie muss besondere Hitzeschutzproteine produzieren, um zu überleben. Die Frühlingssonne bis in den Mai hinein wird von den Kamelien gerne angenommen und bringt auch keine Schäden. Die möglicherweise sehr heißen Monate Juni bis August hingegen, wenn die Sonne hoch steht und heftig brennen kann, sind schon für die Menschen ohne Schutz unangenehm. Wir suchen in den Mittagsstunden Schutz, den Kamelien sollten wir solchen auch zugestehen. Welche Maßnahmen bieten sich an? Die Antwort ist: Halbschatten. Dies ist aber so zu lesen: halb Sonne, halb Schatten, und zwar zeitlich nacheinander!! Noch genauer: 2/3 Sonne und 1/3 Schatten auf unserer geographischen Breite! Sonne und Schatten müssen über die Pflanze hinwegwandern, wobei die Sonnenzeit 15 min nicht überschreiten sollte. Wie läßt sich solches erreichen?

A) Das Lattenhaus

Errichten Sie über ihren Kamelien ein Holz- oder Eisengestell, dessen Dach aus Dachlatten besteht. Dabei lassen Sie zwischen den Latten einen Abstand der doppelten Lattenbreite frei. Dadurch erhalten Sie die gewünschte Schattierung von 30%. Wichtig: die Latten müssen von Norden nach Süden gelegt werden, damit sich Sonne und Schatten auf der Kamelie abwechseln können. Wenn die Unterkonstruktion genügend stabil ist, können Sie im Herbst auch eine Folie drauflegen, um Topfkamelien eventuell vor zuviel Feuchtigkeit zu schützen. Sie können dann bis zum ersten Frost sich an den Winter gewöhnen. Lattenhäuser sind einfach,billig und wirksam bei Topfkamelien als auch bei Gartenkamelien. Wenn Sie daran denken, Folie zu benutzen, denken Sie an ein genügendes Dachgefälle, damit der Regen ablaufen kann, und entfernen Sie die Folie, bevor es anfängt zu schneien. Sonst geht es Ihnen wie mir: das Haus bricht unter der Schneelast zusammen.

B) Schattiergewebe

Es gibt in den gärnerischen Zulieferfirmen spezielles Schattiergewebe mit 30-40% Schattierwirkung, welches Sie über Ihre Kamelien spannen können. Auch hierzu brauchen Sie eine Unterkonstruktion, die aber unter Umständen einfacher ist, als ein Lattenhaus. Seien Sie aber auf der Hut: das normale Gewebe dämmt das Licht gleichmäßig um den gewünschten Prozentsatz, bringt aber nicht den Wechsel zwischen Sonne und Schatten. Achten Sie daher auf spezielles Schattiergewebe, welches die Sonne in Löchern von etwa 5cm Durchmesser ungehindert an die Kamelien gelangen läßt. Das Gewebe muss auch in einer gewissen Höhe über den Kamelien angebracht werden, damit die Lichtspiele gelingen

C) Natürlicher Schatten

Natürlicher Schatten ist in vielen Gärten durch Bäume, Mauern und Gebäude vorhanden. Dieser läßt sich natürlich geschickt für unsere Kamelien einsetzen. Denken Sie aber bitte an das Licht-Schattenspiel!! Ein Baum, der einen lichten Schatten spendet, z.B. eine 20-jährige Weymutskiefer (Pinus strobe) ist ein hervorragender Schattenspender, während eine Abies grandis kein Licht hindurchläßt. Günstig kann auch sein, wenn der Baum nur in den heißesten Stunden um Mittag seinen Schatten spendet, bei Topfkamelien läßt sich dies oft einrichten, Gartenkamelien müssen jedoch genau geplant eingepflanzt werden. Gebäude und Gartenmauern lassen sich auch gut nutzen, besonders wenn die Kamelien in den freien Himmel sehen können. Abend- oder Morgensonne ist aber in jedem Fall gewünscht (Morgensonne aber nicht im Winter).

D) Ein Wasservorhang

Kamelien vertragen auch in voller Sonne eine Berieselung mit Wasser. Entgegen der Lehrmeinung habe ich bisher nie Verbrennungsschäden gesehen. Dieser Schutz ist besonders einfach: Stellen Sie in der Mittagszeit einen sanften Regner an (Niederdruckregner), der bei geringem Wasserverbrauch Ihre Kamelie auch in voller Sonne schützt. Dies gilt für Kamelien, die im Garten zu hitzig stehen (kein Schatten), oder für Topfkamelien, die Sie nicht laufend umräumen möchten, oder die Sie nicht beaufsichtigen können, weil Sie am Wochenende verreisen. Ein Magnetventil oder ein Nachbar kann den Regner bedienen. Niederdruckregner gibt es in jeden Gartencenter, es gibt Sprühdüsen wie auch Kreisregner (Betrieb mit Druckminderer).

Viel Erfolg!

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